Dienstag, 22. Juli 2008

Lies nicht so viel, du verdirbst dir die Augen


... geh lieber mal nach draußen und spiel was!

So mahnten anno dunnemal besorgte Mütter ihren Nachwuchs. Ein Stückchen weiter Richtung Zukunft hieß es dann:
Guck nicht so viel fern, du verdirbst dir Augen ... lies lieber ein Buch!

Und noch etwas später:
Was hockst du dauernd allein an diesem dummen PC, du verdirbst dir noch die Augen ... komm, wir gucken uns zusammen einen schönen Film an!

Bei Spiegel-Autor Markus Röhlig zeigten diese Ermahnung späte Wirkung: Er ging zunächst in sich und dann auf Entzug. Auf Internet-Entzug, eine ganze Woche lang.

Ich finds ja putzig, wie flink Süchte (eigen-)diagnostiziert werden: Da nutzt mensch eine technische Errungenschaft, integriert sie in den Alltag, der sich - nona - dadurch mehr oder minder verändert ... und schon ist mensch ein Junkie. Und fühlt sich von Zeit zu Zeit bemüßgt, der Sache wenigstens temporär abzuschwören, um Charakterstärke zu demonstrieren und philosophischen Tiefgang: Schließlich gibts doch auch ein Leben ohne A, außerhalb von B - und überhaupt ist doch die stete Nutzung von C eine Flucht, nicht wahr, vor dem wahren Leben, das irgendwo da draußen pulst und tobt, immer dort, wo ich grade nicht bin. Böses, abhängig machendes Wasauchimmer. :-)

1 Kommentare:

haftgrund schrieb Folgendes:

Es ist eben nicht jeder stark genug, all diesen Web2.0-Anforderungen auf Dauer zu entsprechen. Daher nimmt es nicht wunder, dass manche ihre Flucht ins First Life mit frei gewählter Enthaltsamkeit zu rationalisieren versuchen. Schelten wir sie nicht, sondern üben wir uns in Mitleid mit diesen Nachbeteiligten!
Mehr zum Thema: "Kloß und Spinne Teil 1: First vs. Second Life"